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Umweltbundesamt

Aus muss aus sein – Das Umweltbundesamt  kritisiert nutzlosen Stromverbrauch neuer Elektrogeräte

Die Energiepreise steigen und belasten die private Haushaltskasse. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, den Energieverbrauch einzudämmen und mehr Geld übrig zu behalten. Das Umweltbundesamt (UBA) kritisiert besonders den übermäßigen Stromverbrauch auch neuer Elektrogeräte, zum Beispiel DVD-Spieler, Schreibtischleuchten mit Trafo sowie Ladegeräte. Auf der Messe „E-world energy & water“ in Essen sagte der Präsident des UBA, Prof. Dr. Andreas Troge: „Immer mehr Elektrogeräte haben keinen Schalter mehr, der das Gerät vom Netz trennt. Sie ziehen folglich permanent Strom.“ Der unnötige Leerlauf von Elektrogeräten in den Privathaushalten und Büros in Deutschland verschlingt jedes Jahr mindestens 3,5 Milliarden Euro. Troges Appell an die Hersteller: „Aus muss auch wirklich aus sein!“ Jedes Elektro- und Elektronikgerät müsse einen Netzschalter haben, der einfach zugänglich, gut sichtbar und eindeutig gekennzeichnet ist.

Wir veröffentlichen hierzu Auszüge aus der am 10. Februar in Essen gehaltenen Rede:

Die Debatte in der Öffentlichkeit wird derzeit vom Verzicht an der einen oder anderen Stelle beherrscht. Es gibt aber auch ein Sparen, das profitabel sein kann: das Energiesparen. Wir brauchen – neben dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien eine „Volksbewegung Energiesparen“ als Teil der von der Bundesregierung angestoßenen Innovationsinitiative.

Die privaten Haushalte verbrauchen fast ein Drittel der Endenergie in Deutschland – und das kostet. Energiesparen kann die Haushaltskasse spürbar entlasten – ohne Komfortverzicht und bei gleichzeitigem Nutzen für den Klimaschutz, zum Beispiel bei den Elektrogeräten und beim Heizen. Mögen auch die Strompreise steigen – wir haben zu Hause viele Möglichkeiten die Energiekosten zu senken!

Wirklich ärgerlich ist: Viele Geräte verbrauchen auch dann Energie, wenn sie nichts tun oder nicht gebraucht werden: im Leerlauf. Ich spreche hier nicht allein davon, dass die Geräte in Bereitschaft, englisch stand-by, gehalten werden. Dieses ist zwar die bedeutendste, aber bei weitem nicht einzige Ursache für Leerlaufverluste.

So gibt es bei manchen Geräten noch nicht einmal eine Bereitschaft – sie sind ständig in Betrieb; ohne „Rücksicht“ auf den Bedarf.

Ein Beispiel aus dem Haushalt: Es gibt bei Lautsprechern Systeme (Subwoofer mit eingebautem Verstärker), die im Standby-Betrieb ständig fast 50 Watt an Leistung aufnehmen. Im Jahr kostet das fast 70 Euro! Auch bei anderen Geräten gibt es vergleichbare Beispiele.

Dabei ginge es durchaus anders:

In den Wohnbauten in Deutschland gibt es Millionen von Klingeln und Türsprechanlagen. Diese sind nur wenige Minuten im Jahr genutzt und während der „restlichen“ Zeit in Bereitschaft – jahrein, jahraus; zu jeder Tages- und Nachtzeit. Hier hat ein Unternehmen ein Netzteil für Standardsprechanlagen entwickelt, dessen Leerlaufverluste um 80 bis 90 % vermindert sind. Würden alle Standardsprechanlagen mit diesem Netzteil ausgestattet, könnten wir soviel Strom sparen wie etwa 100 000 Einwohner verbrauchen – täglich, wöchentlich, Jahr für Jahr.

Der Leerlauf in den Privathaushalten und Büros in Deutschland verschlingt jedes Jahr mindestens 3,5 Milliarden Euro. Geld, das wir alle wesentlich sinnvoller einsetzen könnten.

Manchmal ist Fortschritt ein Rückschritt. Ich denke an moderne Geräte, die nicht mal mehr das haben, was einst alle Elektrogeräte hatten: Einen Ausschaltknopf. Manchmal haben sie etwas, das so aussieht, aber ausschalten können Sie das Gerät trotzdem damit nicht: Das Gerät bleibt immer an – und frisst Strom, ohne dass Sie es merken. Millionen neuer Geräte – DVD-Spieler, Halogen-Schreibtischlampen mit Trafos, Computer, Ladegeräte – belasten die Stromrechnung völlig unnötig. Da hilft es wenig, dass manche neuen Geräte für ihre eigentliche Funktion weniger Strom verbrauchen als die Vorgängermodelle (zum Beispiel verbrauchen die neuen 100-Hz-Fernseher mehr als die alten 50-Hz.Geräte).

Fazit: Entweder es fehlt ein Hauptschalter, oder dieser trennt nicht zuverlässig das Gerät vom Netz, so dass dauerhaft Strom verbraucht wird. Das Umweltbundesamt fordert, diesem Stromklau ein Ende zu machenr:

  • Jedes Elektro- und Elektronikgerät muss einen Netzschalter haben, der einfach zugänglich, gut sichtbar und eindeutig gekennzeichnet ist.
  • Ein mit ihm ausgeschaltetes Gerät darf keinen Strom verbrauchen!

kurz: Aus muss aus sein.

 

Würden alle Leerlaufverluste in privaten Haushalten und Büros vermieden, so ließen sich rund 14 Millionen Tonnen/Jahr CO2-Emissionen sparen – zum Vergleich: Der Emissionshandel soll bis 2012 17 Millionen Tonnen/Jahr weniger CO2-Emissionen bringen.

Doch nicht nur durch diese konkreten Schritte ließe sich der Stromverbrauch in Deutschland kurz, mittel- und langfristig durch umweltpolitische Instrumente verringern. Denkbar sind auch weitergehende, harte ordnungsrechtliche ebenso wie weiche Instrumente. Dazu könnten gehören

 

  • die Gestaltung einer Elektro-Anwendungs-Verordnung, mit der Stromeffizienz-Vorgaben für elektrische Massenprodukte eingeführt würden oder als Alternative oder Ergänzung
  • Selbstverpflichtungen der Hersteller und des Handels zur Begrenzung des Stromverbrauchs oder
  • die Weiterentwicklung und Ausdehnung des Geltungsbereichs der Energie-Einspar-VO auf Stromanwendungen in Wohngebäuden.

Nicht nur bei der Gerätetechnik muss sich einiges tun, sondern auch bei der Information. Im allgemeinen weiß der Käufer bei den Geräten der Unterhaltungselektronik, Informations- und Kommunikationstechnik nicht, welche Kosten ihn erwarten, welche Geräte energieeffizient sind und welche nicht. Die Informationspraxis energiesparender Geräte ist lückenhaft und reicht bei weitem nicht aus. Der Verbraucher und die Verbraucherin müssen vor dem Kauf einfach erkennen können, welche Betriebszustände einzelne Geräte haben und wie viel Watt sie aufnehmen. Dafür brauchen wir eine Pflichtkennzeichnung, die die Verbraucher umfassend informiert und die regelmäßig dem Stand der Technik angepasst wird.

 

Exkurs

Derzeitiger Stand der Kennzeichnung bei Elektrogeräten

 

Derzeit gibt es eine Pflichtkennzeichnung nur für

a) Haushaltsgroßgeräte (Kühlgeräte, Gefriergeräte und deren Kombinationen, Waschmaschinen, Wäschetrockner und deren Kombinationen (d.h. Waschtrockner) sowie Elektroherde

sowie

b) Lampen für den Hausgebrauch und

c) Klimageräte.

Diese Kennzeichnung beruht auf EU-Richtlinien, die in deutsches Recht umgesetzt wurden und umfasst im wesentlichen eine Nennung des Energieverbrauches in absoluten Zahlen (zum Beispiel Kilowattstunden je Kilogramm Wäsche im Standardwaschprogramm bei Waschmaschinen) sowie eine Zuordnung des jeweiligen Gerätes in eine von sieben Energieverbrauchsklassen („A“ = sehr gut bis „G“ = sehr schlecht). Die Einteilung dieser Klassen beruht auf dem Stand von vor etwa 10 Jahren, so dass die Kennzeichnung den Verbrauchern nur eine grobe Orientierung geben kann. Nur für Kühl- und Gefriergeräte wird sie derzeit provisorisch dem Stand der Technik angepasst.

Für Bürogeräte (Informations- und Kommunikationstechnik) gibt es auf EU-Ebene nur eine freiwillige Kennzeichnung durch Übernahme des US-amerikanischen Energy-Star-Programmes (entsprechende EU-Richtlinie(n)). Diese Kennzeichnung besteht nur in der Aussage „energiesparend“ ohne Nennung von Werten. Die Anforderungen des Energy Stars sind, gemessen an dem Stand der Technik, so schwach, dass er nicht als Qualitäts-, sondern allenfalls als Mindeststandard betrachtet werden kann.

Das von der GEEA (Group for Energy Efficient Appliances) vergebene GEEA-Zeichen ist ebenfalls ein Zeichen mit der pauschalen Aussage „energiesparend“, ohne dass dem Kaufinteressierten Werte genannt werden – gegenüber dem Energy Star aber überwiegend deutlich anspruchsvoller. Die Industrie unterstützt vor allem den Energy Star, der dadurch von den Kaufinteressierten häufig wahrgenommen wird, das GEEA-Zeichen taucht hingegen nur wenig in den Geschäften auf. Die Bundesregierung unterstützt das GEEA-Zeichen.

Daneben gibt es, wenn auch für eine geringe Zahl an Gerätegruppen, den Blauen Engel, der inzwischen nicht mehr die Grenzwerte des Energy-Stars verwendet, sondern anspruchsvollere setzt.

Auch bei der Unterhaltungselektronik gibt es keine Pflichtkennzeichnung, sondern nur eine freiwillige Kennzeichnung energiesparender Geräte – hier durch das GEEA-Zeichen. Der Energy Star spielt bei diesen Geräten in der EU keine Rolle; den Blauen Engel gibt es derzeit für keine Gerätegruppe der Unterhaltungselektronik.

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